Macron, Merkel und Gelbwesten in Aachen

Ein famoses Spektakel bot sich auf dem Aachener Markt am Dienstag morgen als Merkel und Macron anreisten um den neuen Vertrag zur deutsch-französischen Freundschaft zu unterzeichnen.
Zum politischen Hintergrund wurde schon viel geschrieben deswegen an dieser Stelle nur der Verweis auf ein paar Veröffentlichungen der letzten Tage:
- Aufruf der Linksjugend
- Macron & Merkel not welcome
- Übersicht zu rechten Gelbwesten Aktivitäten auf Labournet
- Beitrag von Bernhard Schmid zu den Protesten in Frankreich auch auf Labournet

Wir wollen an dieser Stelle auf das bunte Potpourri an politischen Strömungen/Akteuren eingehen, welches den beiden Staatsoberhäuptern die Aufwartung machte.

Am lustigsten waren die Europa-Fahnen-Wedler*innen von Pulse of Europe die sogar eine Absperrung weiter nach vorne durften als die Menschen, die ihre Kritik an dem Spektakel kundtaten. Politische Aussagen waren dort weitgehend fehl am Platze. Eine kleine Gruppe antirassistischer Aktivisti, die sich mit einem Transpi gegen das europäische Grenzregime unter die Europafans gemischt hatten, wurden von den Bullen kurzerhand aussortiert und eine Stunde lang ohne Vorwürfe eingekesselt.
Hinter der nächsten Absperrung hatte eine Gruppe Gelbwesten Stellung bezogen. Angemeldet wurde diese Kundgebung von Tamara K. aus Roetgen. Die Teilnehmenden waren wohl einem Aufruf gefolgt der vor allem in rechten oder verschwörungstheoretischen Internet-Gruppen geteilt wurde. Das Rahmenprogramm, welches aus einer eher verwirrt anmutenden Rede und dem gemeinsamen Gröhlen der deutschen Nationalhymne bestand, wurde wohl von einem Personenkreis organisiert, der sich als Gelbwestenableger in Aachen versteht. Diese hatten sich nach Aufrufen auf Socialmedia-Plattformen vor einigen Wochen in einem Aachener Hotel getroffen, um gemeinsam zur Tat zu schreiten. Dies gipfelte dann in dem Versuch beschriftete Warnwesten an Statuen in der Aachener Innenstadt zu befestigen. Ein paar Antifas verfolgten die Gruppe und konnten die Kunstwerke schnell wieder entfernen. Außerdem wurde besprochen, dass man sich mit anderen Gelbwesten in der Region vernetzen wolle, beispielsweise in den Niederlanden, Belgien und im Rheinland. Hier hatte Hogesa-Anmelder Dominik Roeseler aus Mönchengladbach zu Gelbwesten-Aktionen aufgerufen. Diesem Aufruf folgten nur vereinzelte Wutbürgis, welche sich guerillamäßig auf Zebrastreifen stellten. Interessant ist auch, dass der Anmelder der rechten „Bürger stehen auf“ Demos in Linnich und Erkelenz 2016, Willy M. auf dem Treffen im Hotel gesehen worden sein soll.
Auf der Kundgebung am Markt fanden sich nun neben einigen Wutbürgis und Verschwörungsbewegten („Stop NWO“), eine Frau aus dem Dürener Umfeld der AfD, welche per Livestream für PI-News „berichtete“, JA Youtube-Sternchen Henryk Stöckl und Dominik Roeseler., der mit einer handvoll Gladbach-Hools angereist war. „Merkel muss weg“, „Volksverräter“ und „Wir sind das Volk“-Rufe durften dort natürlich nicht fehlen.
Nächstes Kuriosum war der Auftritt der Wagenknecht-Truppe „Aufstehen“, eine Ortsgruppe Aachen scheint es allerdings nicht zu geben. Diese konnten sich wohl nicht genau entscheiden, wie sie sich positionieren wollten, so reihten sie sich zuerst in der rechten Kundgebung ein, wechselten aber später zu der von der Linksjugend angemeldeten Kundgebung. Bei dieser fanden sich um die 100 Personen verschiedenster linker Strömungen ein. Mehr als Rufen, Pfeifen und Frieren war allerdings nicht drin, die erhoffte (und von den Bullen befürchtete) Gelbwesten-Revolution in Aachen blieb leider aus. =(

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