Archiv für September 2014

Neue Neonazigruppe in Aachen – Syndikat 52

„Die Rechte“ Ableger sucht Räumlichkeiten in der Region. Naziaktivitäten beobachten und melden!

Seit Anfang Juni existiert in Aachen eine neue Neonazigruppe, die den Namen „Syndikat 52“ trägt, wobei die 52 offenbar für die Postleitzahlen der Städte Aachen, Heinsberg, und Düren steht. Ziel der Gruppe, die Teil der Neonazi-Partei „Die Rechte Aachen Heinsberg“ ist, ist die Schaffung von Infrastruktur für die NS-Szene im Bereich Aachen, Düren Heinsberg.

Auf der Facebook-Seite von „Syndikat 52“ findet mensch einen längeren Text zu „Definition und Verständnis“ der Gruppe.

Darin wird „Syndikat 52“ als ein „integriertes Projekt des Kreisverbands Aachen der Partei „Die Rechte“ bezeichnet. Das Projekt sei Bestandteil des Kreisverbands Aachen und würde von weiteren regionalen Kreisverbänden getragen.
Als wichtigstes Ziel des Projektes wird die „Errichtung eines (Immobilien-)Zentrums“ genannt, wobei dem Projekt „Syndikat 52“ dabei die Aufgabe zukomme, dieses Ziel (den Aufbau eines Zentrums) zu erreichen und sein Bestehen zu gewährleisten.
In hochtrabender Sprache wird weiterhin darauf hingewiesen, dass mensch kein Mitglied von „Die Rechte“ sein müsse um das Projekt eines Zentrums zu unterstützen oder dieses Zentrum zu nutzen. Zudem sei „Syndikat 52“ als eigenständige Gruppe zu verstehen, was mittels Eigenname, Werbung und Wiedererkennungswert auch öffentlich gezeigt werden solle.
Durch den Bezug auf viele verschiedene Themen, wie „Kunst, Philosophie, Weltanschauungen“ etc. soll zudem nach Eigenangaben versucht werden , die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erreichen.
Weiterhin wird kurz darauf eingegangen, dass die Intention für die Schaffung eines Zentrums darin bestehe, „alternative Alltagsmöglichkeiten“ und „kollektive Freizeit besonders für Jugendliche“ gestalten zu können.

Die Gruppe hat ein einheitliches Logo, eine 52 in einem Kreis. Dieses ist auf einigen Bildern von den Städtenamen Aachen, Heinsberg und Düren umrundet, was auf die Region hinweist, in dem die Gruppe aktiv ist, bzw. aktiv sein möchte. Wahlspruch der Gruppe ist „Familie, Freundschaft, Nation“. Oder wahlweise: „Ein Zentrum für Familie, Freundschaft und Nation.“

Auf der Facebook-Seite der Gruppe werden vor allem Bilder von Street Art mit und ohne extrem rechten Bezug gepostet. Weiterhin werden Beiträge extrem rechter (Facebook) Gruppen wie „rechtes Plenum“, und verschiedener Ableger der Partei „Die Rechte“ verlinkt. Selbstständig geschriebene längere Beiträge sucht mensch vergebens. Allerdings scheinen die Schreiberlinge der Seite sehr aktiv in den sozialen Medien zu sein, so werden fleißig Beiträge von Aachener Online-Zeitungen verlinkt.
Auffallend ist der Fokus auf Streetart, sowie das Posten selbstgelayouteter Bilder, die meisten davon eher schlecht. Deutlich wird, dass die Neonazis von „Syndikat 52“ versuchen, ein Bild von männlicher Stärke und Intellektualität zu produzieren. So ist zum Beispiel auf einem Bild ein Mann zu erkennen, der in der linken Hand Gewichte und in der rechten Hand einen Stapel Bücher hält. Betitelt ist das Bild mit „Körper – Geist“. Der Mann trägt ein Shirt mit dem Spruch „Stärke durch Disziplin“. Dieses gehört zum Sortiment der Neonazi-Marke „Walhall Athletik“ aus Bayern. Einige Aachener Neonazis haben gute Kontakte zur bayrischen Neonaziszene und offenkundig auch zu den Betreibern der genannten Marke. So beteiligte sich eine Gruppe Aachener Neonazis an einem „Mud Masters Obstacle Run“ am Flughafen Weeze, einheitlich gekleidet in Kleider von Walhall Athletik. Später wurden Fotos von dieser Gruppe auf der Facebook-Seite von Walhall Athletik gepostet.

Zudem findet sich bei Facebook das Profil „Synd Ikat“. Dieses ist in vier Facebookgruppen Mitglied, die mit den Städten zu tun haben auf die sich das Projekt „Syndikat 52“ bezieht. Die erste ist eine Gruppe in der Heinsberger_innen Fotos der Stadt posten und sich darüber austauschen. Die zweite ist eine Kleinanzeigengruppe aus Stolberg. Dann ist da eine Gruppe zum Austausch von Menschen aus der Städteregion Aachen ebenso wie eine Gruppe zum Austauschen über Infos und Erinnerungen zur Stadt Düren. In allen Gruppen postete „Synd Ikat“ am 17.9. einen Aufruf zur Unterstützung des Projekts „Syndikat 52“.

Über das Profil „Synd Ikat“ wird also Propaganda für das Projekt „Syndikat 52“ verbreitet. Dabei fällt auf, dass das „Synd Ikat“ bei Facebook vier Freunde hat. Denis U., zweiter Anführer der im August 2012 verbotenen Kameradschaft Aachener Land und Chef deren Dürener Sektion, Gerwin J. aus Erkelenz, Sektionsleiter der Heinsberger KAL und dazu Joachim G., Chef der Sektion Aachen bis zum Verbot der KAL. Der vierte Freund ist André Plum, Vorsitzender der KAL-Nachfolgeorganisation „Die Rechte Aachen-Heinsberg“.

Deutlich wird also, dass es sich bei „Syndikat 52“ ebenso wie bei „Die Rechte Aachen-Heinsberg“ um Gruppen handelt, die aus vormaligen Aktivist_innen der KAL bestehen und die Strukturen der KAL fortführen.

Öffentlich auf Aufmärschen oder Aktionen aufgetreten ist „Syndikat 52“ bisher nicht. Ihre Aktivitäten bestanden bisher aus einer Kanutour mit etwa dreißig Neonazis aus Aachen, Heinsberg und NRW Ende Juli 2014, einem Grillabend, und gemeinsamen Klettern in der Aachener Boulderhalle.

Sollen diese Aktivitäten wohl vor allem den Zusammenhalt der Neonazis stärken und ihre Gruppenstruktur verfestigen, ist es augenscheinlich, dass einige Neonazis aus Aachen und Umgebung versuchen, Infrastruktur zu erlangen. Sollte ihnen das gelingen, könnte dies zu einem Anstieg der Aktionen und Veranstaltungen in und um Aachen führen. Die Neonaziszene in der Region hatte ihr letztes festes Zentrum vor einigen Jahren in Düren, damals noch mit Hilfe der NPD. Seitdem wird versucht, neue feste Infrastruktur zu erlangen, um einen Ort für Treffen, Veranstaltungen und Außenwirkung zu haben.

Das Neonazis in oder um Aachen herum Infrastruktur bekommen, von der aus sie agieren können, muss verhindert werden. Daher sind alle Antifaschist_innen aufgefordert, Augen und Ohren offen zu halten und Naziaktivitäten zu beobachten und auf diese zu reagieren.

Wenn ihr Naziaktivitäten beobachtet, vor allem Versuche, Räumlichkeiten anzumelden, dann meldet euch bei uns.

PS: eigentlich finden wir es lächerlich, auf Rechtschreibung einzugehen, aber eine Gruppe wie „Syndikat 52“, die sich als ach so gebildet und der deutschen Sprache mächtig darstellt und dann so unglaublich viele Fehler in ihrem wichtigsten (und einzigen) Text, dem Selbstverständnis, produziert, wäre sicherlich keine Freunde für ihr Vorbild, diesen Goethe.

Ausstellungsankündigung: Kinder im Konzentrationslager Theresienstadt

Veranstaltungshinweis: Die Gruppe „Diskursiv Aachen“ organisert vom 18.10 bis zum 29.10 die Ausstellung „Kinder im KZ Theresienstadt – Zeichnungen, Gedichte, Texte“ in der Nadelfabrik Aachen, mit einem interessanten Rahmenprogramm.

Hier der Ankündigungstext:

„Hiermit laden wir euch recht herzlich ein, die Ausstellung „Kinder im KZ Theresienstadt – Zeichnungen, Gedichte, Texte“ vom 18.10. bis 29.10. 2014 in der Nadelfabrik Aachen zu besuchen. Die Ausstellung wird gerahmt durch Vorträge und Filme. Darüber hinaus möchten wir Führungen durch die Ausstellung anbieten. Der genaue Ablauf des Programms wird in Form von Flyern und über unseren Blog in den nächsten Wochen bekannt gegeben.
Falls Interesse an Führungen oder weitere Informationen besteht, können diese über ausstellungaachen@gmail.com eingeholt werden.

Die Ausstellung behandelt Zeichnungen, Gedichte und Texte von Kindern, die in Theresienstadt interniert waren. Das Konzentrationslager bestand von November 1941 bis zum 8. Mai 1945, als es von der Roten Armee befreit wurde. Es galt in der nationalsozialistischen Propaganda als relativierendes „Musterbeispiel“, welches auch mehrmals ausländischen Beobachtern vorgeführt wurde, um zu zeigen, dass die Unterbringung der deportierten Menschen humanitäre Standards erfüllte. Die grausame und menschenverachtende Realität in der umfunktionierten Festung sah jedoch anders aus. Der eigentliche Zweck innerhalb des Lagersystems bestand darin als Übergangslager für die weiteren Deportation in die Vernichtungslager, wie Auschwitz, zu fungieren.“

Alle Infos zur Ausstellung hier.

Kategorie C Konzert in Aachen/Eynatten am 30.8.

Das für den 30.8. in Aachen angekündigte Konzert der extrem rechten Band Kategorie C fand, nachdem nach Angaben der Band die erste Location kurzfristig geplatzt war, im belgischen Eynatten, direkt hinter der deutschen Grenze in einem zuvor angemieteten Club statt. Ungefähr 200 Zuschauer_innen sahen KC. Alle Bandmitglieder trugen an diesem Abend Kleidung von Neonazi-Marken, Thor Steinar, Ansgar Aryan und Eric and Sons. Der Sänger der Band trug zudem ein Shirt der Aachener Hooligangruppe Westwall Aachen. Wie bei vorherigen Konzerten wurden die Besucher_innen über mehrere Schleusungspunkte zu dem Konzertort geleitet. Der erste dieser Punkte lag in Kohlscheid, wobei die Kneipe „Lämmis Sportbar“ zeitweilig als Anlaufpunkt diente.

Das Konzert selbst war wie immer ein Zusammenkommen von rechtsoffenen KC-Fans, Ultras, Hooligans, unorganisierten und organisierten Neonazis und allem dazwischen. So war mit Patrick H. ein wichtiges Mitglied der Karlsbande Ultras anwesend. Auch einige Mitglieder der neonazistischen Kameradschaft Alsdorf Eupen fanden sich ein, ebenso beispielsweise der NPD Kader Sascha W. aus Rheinland-Pfalz. Die Organisation des Konzert wurde hauptsächlich von Hooligans der Gruppe Westfront gestemmt, in der sich ebenfalls einige Neonazis betätigen.