Archiv für Juni 2012

AZ Aachen soll verkauft werden

Die Stadt Aachen – so wurde unlängst bekannt – will das Autonome Zentrum Aachen an einen Investor, die IPEM Immobilien AG aus Wetzlar, verkaufen. Über dem AZ, das in einem alten Bunker ist, befindet sich das ehemalige Gesundheitsamt, das der eigentliche Gegenstand der Verhandlungen ist. Nun sollen AZ und Gesundheitsamt zusammen verkauft werden um dort ein Hostel zu bauen. Für das Hostel beanspruchen die Investoren zudem die Hälfte des AZ, den großen Konzertraum und den halben Thekenraum. Das Hostel soll betrieben werden von der Hotel-Kette A&O HOTELS and HOSTELS Holding AG mit Sitz in der Köpenicker Str. 126 in Berlin. Das AZ würde damit privatisiert und um die Hälfte geschrumpft. Die Verhandlungen der grün-schwarz-regierten Stadt und deren Vorhaben wurden dem AZ gegenüber nicht transparent gemacht.

Das AZ Aachen gibt es seit 1992 – es ist hervorgegangen aus langen Häuserkämpfen. Bisher wurde es von der Stadt Aachen zur Verfügung gestellt und autonom betrieben. Das AZ ist in Aachen ein wichtiger Faktor auch antifaschistischer Arbeit. Informations- und Bildungsveranstaltungen finden hier statt, zweiwöchentlich gibt es ein Antifa-Cafe und – ein nicht zu unterschätzender Aspekt – das AZ ist ein Raum auch antifaschistischer (Jugend)kultur.
In einer Zeit, in der die extreme Rechte in und um Aachen immer militanter wird, in der sich Angriffe auf Menschen oder linke Einrichtungen häufen, ist dieser städtische Angriff auf einen wichtigen Ort antifaschistischer Arbeit umso schwerwiegender. So offenbart er auch die Blindheit der Stadtregierung gegenüber dem erstarkenden Neonazismus. Während sich im Umland immer mehr antifaschistische Initiativen zusammenfinden, fast jede Stadt zudem ein Bündnis gegen Rechts gegründet hat, ist von den Offiziellen der Stadt Aachen nichts zu hören. Der „Runde Tisch gegen Rechtsextremismus“, zu dem übrigens Betroffene per Brief des Oberbürgermeisters explizit ausgeladen waren, kam offensichtlich nach einer Resolution 2010 zum Erliegen.
Die Stadt Aachen und ihre regierenden Parteien, also die Grünen und die CDU scheinen nichts wissen zu wollen von dem, was jede_r weiß: Dass es in und um Aachen mit der Kameradschaft Aachener Land eine der personenstärksten und militantesten Neonazistrukturen NRW’s gibt. Dass Aachen in NRW eine der Hochburgen der extremen Rechten ist.
Wer im AZ aktiv ist, bekommt diese neonazistische Bedrohung unmittelbar mit. Etwa durch direkte Angriffe der Neonazis auf Besucher_innen des AZ, durch Stahlkugelschüsse, durch Bomben-Attrappen, durch Buttersäureangriffe, durch Molotowcocktails um nur einige „Zwischenfälle“ der letzten Jahre zu nennen. Aber auch durch die vielen Betroffenen rechter Gewalt, die ins Autonome Zentrum kommen, weil sie dort Ansprechpartner_innen finden, Menschen, die ihnen weiterhelfen und Menschen, die sie ernst nehmen.
Der folgenschwerste Angriff aufs AZ und damit auch auf antifaschistische Arbeit in Aachen kommt nun ausgerechnet von der Stadt, ein Angriff, der im Gegensatz zu den Sprengsätzen der Nazis das AZ tatsächlich in seinen Grundfesten erschüttern könnte. Die Stadt stimmt zum einen zu, das AZ so weit zu verkleinern, dass es sich faktisch nicht mehr selbst finanziell tragen kann. Zur Erinnerung: Im AZ arbeiten alle unbezahlt, es ist als nicht-kommerzieller Raum konzipiert. Zum anderen gibt die Stadt damit das AZ dem „freien Markt“ preis. Es wird privatisiert. Das heißt auch, dass bei künftigen geplanten Änderungen keine Möglichkeit des politischen Drucks auf die Stadt mehr besteht.
Damit stiehlt sich die Stadt Aachen aus ihrer Verantwortung, Räume für antifaschistische Politik und Kultur zur Verfügung zu stellen. Nicht nur, dass sie sich selbst nicht um das Nazi-Problem schert, sie legt denen ganze Felsbrocken in den Weg, die bemüht sind, dass Neonazismus nicht einfach so sich an Schulen, in Discos, auf der Straße, am Tivoli etc. als aktionsreiches Angebot für Jugendliche etabliert.
Für das Klima in Aachen wird sich mit dem Wegfall des AZ in seiner ursprünglichen Form einiges ändern. Nazis – und das dürfte bekannt sein – nutzen die Räume, die ihnen gelassen werden. Das AZ stand und steht dafür, ihnen auch durch jugendkulturelle Arbeit weit über die schieren Räumlichkeiten hinaus, keinen Raum zu lassen, keinen Raum für menschenverachtende, faschistische Propaganda. Es steht auch für antifaschistische Intervention.
Wir können und werden es nicht zulassen, dass das AZ nicht in seiner bisherigen Form weiter besteht. Lassen wir die Pläne der grün-schwarzen Stadt Aachen, der IPEM Immobilien AG aus Wetzlar und der A&O HOTELS and HOSTELS Holding AG aus Berlin platzen!

Wir erklären uns mit dem AZ solidarisch und fordern:
Eine Abkopplung des AZ vom Kaufvertrag! Keine Privatisierung des AZ Aachen!
Für den Erhalt des AZ in seiner bisherigen Form!
Antifaschismus braucht Freiräume!

Infoveranstaltung zum No-Border Camp am 4.7. im AZ Aachen ab 19 Uhr

Vom 13. bis zum 22.7.2012 findet in Köln ein antirassistisches No-Border Camp statt.

Auf dem Camp möchten sich Menschn zusammenfinden, um sich gemeinsam und in verschiedenen Formen mit (Sammel-)Abschiebungen, Frontex, Antiziganismus, Rassismus, und rechten Diskursen beschäftigen und Widerstand zu leisten.
Das Camp möchte ein Ort sein, an dem Rassismuskritik, antifaschistische, feministische und kapitalismuskritische Perspektiven zusammen gedacht werden. Ein Ort, der gegenseitigen Austausch intensivieren und Bündnisse anstoßen kann. Auf dem Camp wird es Workshops und Diskussionen geben, auch werden vielfältige Aktionen von Camp ausgehen.

Infos dazu gibt es im Rahmen des Antifa-Cafe´s am Mittwoch dem 4.7. ab 19 Uhr im AZ Aachen, Vereinsstraße 25.

From the 13. – 22.7.2012 an antiracist No-Border Camp will take place in Cologne/Düsseldorf.

The aim of the camp is that people come together to fight against (Charter)deportation, Frontex, antiziganism, racism and far right discourses.
The camp is intended to be a place of discussion on antiracism, a critical view on capitalism, with opening perspectives on antifascism ans feminism. A place to exchange experiences and plan actions. There will be workshops on the camp, and also many actions.

Come to the campside, take part, bring workshops and actions ans partizipate

More infos: Antifa-Cafe in the AZ Aachen, Vereinsstraße 25, Wednesday 4.7. 19.00h.

Homepage des Camps/homepage of the camp

Neonazi im Kreis Heinsberg war Chefmoderator beim neonazistischen Thiazi-Forum.

Am 14. Juni 2012 führte das BKA Razzien gegen die Betreiber_innen des größten und wichtigsten deutschsprachigen Neonaziforums “thiazi.net” durch. Gegen 26 mutmaßlich Verantwortliche ermittelt die Polizei wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“. Hiervon betroffen ist auch der “Thiazi”-Chefmoderator Marian R. aus Selfkant im Kreis Heinsberg. In einem Bericht zu seiner Person von der Autonomen Antifa Freiburg wird klar, dass R. alles andere als ein offen agierender Neonazi war.
Rund 25.000 Personen waren bei “Thiazi” registriert. Das Forum diente dem Austausch von Informationen, der Vernetzung und Mobilisierung. Auf “Thiazi” wurden Veranstaltungen beworben, Naziaufmärsche nachbereitet und mit indizierter Nazimusik im großen Stil gehandelt. Teilweise diente das Forum als Einstieg in die organisierte Szene.
Das BKA ermittelt nach eigenen Angaben seit 2009 gegen ” Thiazi”. Am 14. Juni wurden mehrere Wohnungen in Deutschland und England durchsucht, darunter in NRW die Wohnung des “Thiazi”-Moderators Marian R., der im Forum den Nickname „Krafft“ nutzte. R. gehörte als einer von drei Menschen zu den “Thiazi”-Moderatoren, die als „Betreuer für alle Foren“ als einzige über Änderungsrechte in sämtlichen Forenbereichen verfügten. Sie bildeten das Rückgrat von “thiazi.net”. Auffallend ist, dass die Köpfe hinter “Thiazi” eine bürgerliche Existenz leben, wobei vor allem die bürgerliche Fassade von Marian R. besonders heraus sticht.

Marian R. war bis zum 20. Juni 2012 Pflegeleiter der “Michael-Station”, einer psychiatrischen Akut -Station des Fachkrankenhauses für Psychiatrie und Psychotherapie der “Gangelter Einrichtungen Maria Hilf”. Er hat mehrere Fachbücher zu den Themen „Deeskalation in der Pflege“ und „Kommunikative Deeskalation“ veröffentlicht. Noch am 8. und 9. Mai 2012 führte er am Berufskolleg Ernährung-Sozialwesen-Technik des Kreises Heinsberg in Geilenkirchen eine Veranstaltung durch, um die interkulturelle Kompetenz von Lehrkräften zu fördern und mit diesen die Deeskalation in gewalttätigen Situationen zu trainieren. Außerdem hat R., der im Internet als „Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie, Zusatzqualifikation Maßregelvollzug/Forensik, Deeskalationstrainer und Schutztechnikentrainer“ bezeichnet wird, auch beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Polizei in Münster ausgebildet. R. trainierte u.a. die Kampfsportart Wing Tsun. Zudem war R. Geschäftspartner mehrerer Deeskalationstrainer_innen und fungierte als Ansprechpartner im Falle von Verstößen gegen die „humanistischen Werte“ des Deutschen Vereins für Gewaltprävention, der mit “SOS Rassismus NRW” kooperiert.
Berichten von Antifagruppen zufolge haben seine Vereinskolleg_innen prompt reagiert und die Zusammenarbeit mit ihrem „Antirassismusbeauftragten“ beendet. Auch die “Gangelter Einrichtungen” haben ihren Angestellten entlassen. Eigenen Angaben zufolge hatten die Menschen die mit R. zusammengearbeitet haben, nicht die leiseste Ahnung von seiner Einstellung . Anscheinend ist es ihm über Jahre gelungen, ein Doppelleben zu führen.

Im Thiazi Forum selbst äußerte er sich hingegen eindeutig, wenn er beispielsweise Homosexualität als „schwere Persönlichkeitsstörung“ verbunden mit „kognitivem Abbau“ bezeichnete. In einem Beitrag vom 8.8. 2008 weist er darauf hin, dass zu viele Neonazis im Forum in offen lesbaren Threads Phantasien über medizinische Experimente an Homosexuellen äußern würden: „Wir haben ETLICHE Stränge zum Thema Homosexualität und deren Ursachen. In einigen wird auch darüber beraten, ob Schwuchteln zu heilen sind. Durch Medikamente, Psychotherapie usw… Meinetwegen kann ja der Therapieansatz ‚Entschwuchtelungslager‘ dort eingebracht werden. Aber bitte mit weniger Privatunterhaltungen und ein wenig mehr Ernst bei der Sache!“

Nachdem Antifaschist_innen 2010 erstmals Informationen über einige Betreiber_innen von “Thiazi” veröffentlichten, gab „Krafft“ zwar seinen Rückzug aus dem Forum bekannt, durch die zeitgleiche Abschaffung personalisierter Moderations-Accounts kann er jedoch weiterhin anonym als Moderator für “Thiazi” tätig gewesen sein. R. war nach unserem Wissen nicht mit der lokalen Naziszene vernetzt und beteiligte sich nie an Aufmärschen. Er lebte völlig unauffällig. Dennoch gestaltete er das wichtigste Neonaziforum Deutschlands und vielleicht Europas maßgeblich mit.

Von den Polizeidienststellen in denen R. bisher Anti-Rassismusschulungen durchgeführt hat, ist noch keine Stellung dazu bezogen worden, dass hier ein Neonazis Polizist_innen beibringen sollte, wie sie antirassistisch handeln.

Alles weitere hier und hier

No Border Camp Köln

In Köln findet von 13. bis zum 22. 7. ein No-Border-Camp statt. Alle weiteren Infos erfahrt ihr hier.

In Aachen wird am 4.7. eine Infoveranstaltung zu diesem Camp stattfinden, dazu bald mehr.

Antifa-Infoportal Aachen

Das Antifa-Infoportal Aachen wird von nun an wieder aktualisiert.

Antifa-Cafe am 20.6. im AZ ab 19 Uhr

Das nächste Antifa-Cafe findet am MIttwoch dem 20.6. ab 19 Uhr AZ statt. Wie immer gibts Musik, Kicker und nette Leute, und dazu einen Film.

Kommt vorbei und habt Spaß!