Archiv für April 2009

Naziangriffe in Aachen

Am vergangenen Wochenende gab es zwei Angriffe von Neonazigruppen, Berichte dazu finden sich bei Indymedia und beim dem Journalisten Michael Klarmann, sowie in den Online-Ausgaben der Lokalzeitungen, also an-online.de und az-web.de

Nazis möge euch der Blitz beim Scheissen treffen

Viel Neues unter „Termine“

Es gibt viele neue wichtige Termine, check it out

Prozessbeginn wegen des Naziüberfalls am 27.3.2008 und Antifaschistische Aktionen

Dokumentation :

Erklärung des Antifaschistischen Aktionsbündnis Aachen
zum juristischen Nachspiel der von Neonazis überfallenen Demonstration am 27.3.2008

Es ist über ein Jahr her, dass eine antifaschistische Demonstration von bewaffneten kriminellen Neonazis überfallen wurde. Die Polizei war nicht in der Lage, das Demonstrationsrecht in Aachen zu gewährleisten. Der Polizeipräsident musste sich vor dem Hauptausschuss des Stadtrates öffentlich entschuldigen. Der Polizeieinsatz forderte viele Verletzte durch das unkontrollierte Versprühen von Reizgas und durch die völlig überforderten 8 Streifenbeamten. Dementsprechend ist festzuhalten, dass die Polizei eine enorme Mitschuld an dem Chaos hatte!

Die Demonstration hat ein Jahr später ein juristisches Nachspiel, das vielen die Augen öffnen wird, die sich vor einem Jahr noch gern dem Polizeipräsident unterordneten.
Bis heute steht nicht einer der namentlich bekannten Angreifer vor Gericht. Obwohl die kriminellen Neonazis bewaffnet waren, sollen sie nur wegen einfachen Landfriedensbruchs verfolgt werden. Vor Gericht stehen am Dienstag, den 28. April ab 9.00 Uhr vielmehr der Leiter der angemeldeten und friedlichen Demonstration sowie ein weiterer Teilnehmer. Das ist ein Skandal! Dabei ist das Unvermögen der Polizei die Ursache für die Situation während der Demonstration, einschließlich der Vorkommnisse, die hier zur Debatte stehen.

Der Vorwurf: Angeblich hätten die beiden Antifaschisten Widerstand gegen VollstreckungsbeamtInnen geleistet. Der Hintergrund wurde bereits in öffentlicher Rede, in der Presse und in Stellungnahmen beleuchtet. Zusammengefasst läßt sich sagen: Zwei Personen hatten während des Tumults nach dem Überfall der Neonazis eine Antifaschistin in den Würgegriff genommen. Der doppelt so schwere Mann drückte die zierliche Demonstrantin nieder und fügte ihr große Schmerzen zu. Die in der Nähe befindlichen DemonstrantInnen gingen davon aus, dass die beiden dunkel gekleideten Personen zum Kreis der Neonazis gehörten. Erst am Ende dieser knapp 5 minütigen Szene, nachdem eine Menge Tränengas versprüht worden war, lagen der schwere dunkle Mann und ein Demonstrationsteilnehmer auf dem Boden. Erst danach gab sich der dunkel gekleidete Mann als Polizist zu erkennen. Die beiden ZivilbeamtInnen hatten nicht eine Sekunde daran gedacht, den Überfall der Neonazis abzuwehren und den Überfallenen zu Hilfe zu kommen. Sie hatten dem Überfall zugeschaut und sich anonym im Getümmel eine linke Demonstrantin geschnappt. Die PolizeibeamtInnen behaupten nun, sie hätten sich pausenlos ausgewiesen, was aber eine Schutzbehauptung ist.
Der Leiter der Demonstration hat auf diesen Vorfall am Ende der Demonstration hingewiesen und vom Polizeipräsidenten dienstrechtliche Konsequenzen gefordert.
Statt den Vorwürfen gegen die ZivilbeamtInnen nachzugehen, durfte ausgerechnet die Zivilbeamtin noch am darauffolgenden Abend die Anzeigen gegen den Demonstrationsleiter und den anderen Teilnehmer schreiben. Ihre Darstellung ist immer noch die Grundlage der Anklage durch die Staatsanwaltschaft, obwohl klar ist, dass es hier vor allem darum ging, dass die ZivilbeamtInnen eine Verteidigungslinie in einem drohenden Verfahren der Dienstaufsicht aufbauen wollten.

Noch vor kurzem wollte die Staatsanwaltschaft der Öffentlichkeit weismachen, sie ginge gegen „Rechts und Links“ mit gleicher Härte vor. Das Strafverfahren gegen die Überfallenen und die Verschleppung des Verfahrens gegen die kriminellen Neonazis sprechen eine deutlich andere Sprache. Hier sollen zwei BeamtInnen in zivil rein gewaschen werden, die mit und ohne Uniform an Rechtsgrundsätze wie die Verhältnismäßigkeit der Mittel gebunden sind. Die Quälerei der Demonstrantin war völlig unverhältnismäßig! Die Zivilbeamtin hatte vermutet, dass die Demonstrantin ihre Fahne erhoben habe, um damit einen der Nazi-Aggressoren zu schlagen. Das war der ganze Anlass.

Wir fordern die Mitglieder des Stadtrates auf, die Nachbearbeitung der Demonstration wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Der Pressesprecher der Polizei hat die Presse belogen, als er am 30.3.2008 behauptete, es werde „nur“ gegen einen Demonstrationsteilnehmer aus unseren Reihen ermittelt. In Wirklichkeit wurde die Anzeige gegen den Leiter unserer Demonstration noch am Abend der Demonstration von der öffentlich scharf kritisierten Zivilpolizistin geschrieben.

Wir fordern die Stadträte auf: Lassen Sie sich nicht mehr so einfach einwickeln. Fragen Sie mehr nach. Die Fragen sind doch schon öffentlich gestellt und werden entweder gar nicht oder ausweichend (Staatsanwaltschaft) beantwortet.

Wir fordern die sofortige Einstellung des konstruierten Verfahrens gegen die TeilnehmerInnen unserer Demonstration und die vollständige und harte Verurteilung der kriminellen Neonazis.
Die Neonazis tanzen den Strafverfolgungsbehörden in Aachen auf der Nase herum, weil sie ungestraft oder milde beurteilt aus allen Strafanzeigen herauskommen. Wer wie die Staatsanwaltschaft Morddrohungen gegen AussteigerInnen aus der Naziszene als private Meinungsäußerung adelt, handelt verantwortungslos.

Es ist an der Zeit, dass die PolitikerInnen in der Stadt, aber vor allem in der Landesregierung ihre Vogelstrauss Politik einstellen. Die Strafverfolgungsbehörden sind nicht fähig, in der Region den Schutz vor Neonazi-Banden herzustellen und zu gewährleisten. Die Region Aachen ist laut Verfassungsschutzbericht diejenige mit den aktivsten Neonazigruppen. Von nichts kommt nichts und es ist zu einfach, sich hinter der Ideologie zu verschanzen, wonach rechts und links gleich (zu behandeln) seien. Es ist zu einfach, die Gegenwehr gegen die Neonazis allein den Linken aufzubürden.

Wir zeigen uns solidarisch mit den von Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgten AntifaschistInnen. Wir kritisieren die Aachener Polizei und die Staatsanwaltschaft wegen ihrer ideologischen Verblendung.

Wir rufen auf zur Kundgebung und Demonstration
Am Montag, 27. April 2009 um 18.00 Uhr an der Kasernenstraße/Ecke Boxgraben

Wir rufen auf, den Prozess am Dienstag den 28. 4. 2009 im Amtsgericht Aachen, Raum 1.025 auf der ersten Etage ab 9.00 Uhr zu besuchen. Da es Einlasskontrollen gibt, bitte rechtzeitig eintreffen. Wir rufen auf zur Solidarität mit den beiden Antifaschisten vor Gericht.

Infoveranstaltung zur 1.Mai Demo in Wuppertal

Am Donnerstag dem 23.4. findet um 19.00 Uhr im AZ Aachen eine Infoveranstaltung zur Revolutionären 1. Mai Demo in Wuppertal statt
Wir freuen uns wenn ihr kommt

Achtung-Nazi Fake

Achtung Nazi-Fake

Hallo Leute anscheinend versuchen Nazis oder sonstige Komiker mittels der Adresse --autonomeantifaaachen@hotmail.de-- Infos über Antifas herauskriegen, also antwortet bitte nicht auf diese Mails und sagt uns Bescheid wenn ihr angeschrieben werdet.

Nächstes Antifa Cafe

Das nächste Antifa Cafe findet am Donnerstag dem 16.4. statt, wie immer ab 20.00 Uhr im AZ Aachen.

Diesmal wird,s einen Stencil Workshop speziell für T-Shirts geben

Außerdem gibts später noch Konzert und danach Party

[Stolberg] Wichtige Updates

Route 3.4.
Der von NeofaschistInnen angemeldete Fackelmarsch zwischen 20 und 22 Uhr wird am Freitagabend vom Mühlener Bahnhof ausgehen. Von dort aus ziehen die Neonazis über die Frankentalstraße zum Birkengang und ebendiesen Weg wieder zurück.

Route 4.4.
Die Route der Nazis, die am 4.4. marschieren wollen, wurde verlegt. Sie treffen sich zwischen 12 und 13h am Hauptbahnhof, um von dort aus gemeinsam den Bahnhof Schneidmühle anzusteuern. Von dort aus werden sie über die Eisenbahnstraße und die Europastraße zum „Tatort“ am Birkengang ziehen, um über die Eschweiler- und die Nikolausstraße zurück zum Bahnhof Schneidmühle zu marschieren.

Treffpunkte antifaschistische Gegenaktivitäten

Am 3.4. werden sich AntifaschistInnen um 17:10 am Aachener Hauptbahnhof treffen. Eine Kundgebung ist um 19h an der Villa Lynen auf der Rathausstraße angemeldet.

Am 4.4 werden sich AntifaschistInnen am Kölner Hauptbahnhof um 10:00 treffen, am Aachener Hauptbahnhof um 10:15, also 15 Minuten früher als ursprünglich angekündigt.

Nummern
Der EA wird Freitag und Samstag für Euch unter der Nummer 0176-65411488 erreichbar sein.
Ein Infotelefon wird Samstag unter der Nummer 015204893954 geschaltet sein.

Von Salem bis Stolberg: Rechte Märtyrerrituale und rechte Gewalt

Von AntifaschistInnen aus Stockholm und Aachen

Am 6. Dezember fand in Salem, einem Vorort von Stockholm, zum achten Mal der so genannte „Salemmarsch“ statt: eine Manifestation der (nord)europäischen extremen Rechten zum „Gedenken“ an Daniel Wretström: einem 17-jährigen Jugendlichen mir Anknüpfungen zur rechtsextremen Szene, der im Zuge einer spätabendlichen Auseinandersetzung mit einer Gruppe von jugendlichen MigrantInnen an einer Bushaltestelle in Salem tödlich verletzt wurde. Der Salemmarsch hat sich zum größten jährlichen rechtsextremen Treffen in Skandinavien entwickelt.
In der Woche vor dem diesjährigen Aufmarsch kam es in Stockholm zu einer Reihe rechtsextremer Angriffe, vor allem auf AktivistInnen der linken Szene. Neben einigen gewalttätigen Überfällen und Drohungen (etwa dem offenen „Belagern“ von Wohnungen linker AktivistInnen) kam es zu zwei besonders folgeschweren Attacken: Am 29. November wurde Cyclopen, ein autonomes Kulturzentrum im Süden Stockholms, in Brand gesteckt – das Gebäude brannte vollständig nieder. Zwei Tage später konnte sich ein in der schwedischen anarchosyndikalistischen Gewerkschaft SAC aktives Paar mit ihrem knapp dreijährigen Kind nur über den Balkon ihrer im dritten Stock gelegenen Wohnung in Sicherheit bringen, nachdem in diese durch den Briefschlitz Benzin geschüttet und angezündet worden war – die Familie verlor bis auf die am Leib getragenen Kleider alles.
Der Anschlag auf den Cyclopen führte in einschlägigen Neonazimedien zu schadenfroher Begeisterung und Nachahmungsaufforderungen. Dies galt auch für Deutschland. In den Altermedia-Kommentarspalten etwa wurde der Brand eloquent mit „Das fetzt! :) “, „Einfach nur Geil …..;-))))“ und „Burn Motherfucker… BURN!“ kommentiert. Einige ‚Kameraden’ sahen sich selbst zu Reimen inspiriert: „Advent, Advent, ein linkes Zentrum brennt. Erst eins, dann zwei,…“ Allerdings bedauern die Altermedia-UserInnen, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind: „Keine geschmolzenen Zecken? Schade!“. Auch im Forum von Rocknord wurde von einem „Freudenfeuer“ gesprochen und auch hier wird beklagt, dass sich während des Brandes keine Menschen in dem Haus aufhielten. „So stell ich mir nen gelungenen 1. Advent vor. Nur schade das die Bude leer war.“
Wie antifaschistische AktivistInnen in Schweden berichten, waren die Anschläge im Vorfeld des diesjährigen Salemmarsches zweifelsohne ein Versuch gewisser Teile der schwedischen Rechten, „Öl ins Feuer zu gießen“, entsprechende Medienaufmerksamkeit zu erlangen und den Marsch zu einem Spektakel werden zu lassen. Diese Hoffnungen gingen kaum auf. Trotz struktureller und institutioneller Diskriminierung von MigrantInnen in Schweden fehlt rechtsextremen Gewalttätern eine akzeptierende Öffentlichkeit. Die Anschläge lösten in breiten – auch bürgerlichen – Teilen der schwedischen Gesellschaft Abstoßen aus und verstärkten die zivilgesellschaftliche Verurteilung des Salemmarsches.
Auch innerhalb der rechtsextremen Szene dürften die Anschläge bestehende Spannungen eher noch vertieft haben. Bereits vor den Attacken setzten sich zwei einflussreiche Gruppen der Szene, die „Schwedische Widerstandbewegung“ (Svenska Motståndsrörelse) und die „Volksfront“ (Folkfronten) von der diesjährigen Salem-Koalition ab. Entsprechend lag auch die TeilnehmerInnenzahl unter dem Standard vorhergegangener Jahre.
Dies tat den regen Diskussionen zum Ereignis in rechtsextremen deutschen Kreisen keinen Abbruch. Ein Interesse an Salem gab es unter deutschen extrem Rechten seit Anbeginn. Seit diesem Jahr gibt es freilich auch einen konkreten Anknüpfungspunkt: die tödlichen Stichverletzungen, die Kevin P., einem 19-jährigen mit NPD-Kontakten, am 4. April im nordrheinwestfälischen Stolberg, in der Nähe Aachens, von einem jugendlichen Migranten zugefügt wurden, machen Salem für die deutsche Rechte zu einem Art Präzedenzfall. Auch in Stolberg wird nunmehr eines Märtyrers gedacht, der die „Verteidigung“ der angeblich bedrohten „eigenen nationalen Identität“ zusätzlich legitimieren soll.
Passend das Motto des Salemmarsches: „Gegen schwedenfeindliche Gewalt“. Dies verweist auf einen wichtigen ideologischen Baustein rechtsextremer Politik und Taktik. Der Opferkult soll durch alljährliche Rituale zum Gedenken der Märtyrer aufrechterhalten werden. Dadurch wird ein gemeinsames Selbstbild geschaffen, als Kämpfer, als standhaft, opferbereit und unbeugbar. Der Opferkult der extremen Rechten rechtfertigt dabei als fundamentaler Bestandteil einer jeden faschistischen Ideologie den Kampf gegen GegnerInnen oder vermeintliche GegnerInnen und rechtfertigt jedes Mittel in diesem Kampf, bis hin zum Mord – wie die jüngsten Ereignisse in Stockholm bestätigten. Der direkte Zusammenhang zum Salemmarsch scheint insofern alles andere als zufällig.
Eine explizite Verbindung zu Stolberg wurde heuer in Salem in der Rede des deutschen Neonazis Patrick Müller gezogen. Nachdem auch er MigrantInnen als GewalttäterInnen und die extreme Rechte als Opfer nicht nur von ihnen, sondern auch von Politik und Medien darstellt, meint er: „Am 4. April diesen Jahres töteten Ausländer in Stolberg bei Aachen einen jungen Nationalisten, der auf dem Heimweg von einer NPD-Veranstaltung war. Kevin wurde nur 19 Jahre alt. Er musste sterben, weil er sich zu Deutschland und seinem Volk bekannte.“ Müllers Schlussworte haben angesichts der Ereignisse der Vorwochen einen besonders fahlen Beigeschmack: „Verliert nicht das Ziel aus den Augen! Bewahrt unsere Völker vor dem Volkstod. Wenn ihr etwas an der Situation verändern wollt, dann macht das radikal und politisch! Für Daniel, für all die Opfer und natürlich für unsere Zukunft!“
Während Rechte Ereignisse wie jene in Salem oder Stolberg ihres Kontexts berauben und zur Bestätigung der angeblichen „Bedrohung“ hochstilisieren, ist das Bedrohungspotential, das sie für ihre politischen GegnerInnen darstellen durchaus real. Dies zeigen nicht nur die jüngsten Vorfälle in Stockholm, sondern die zahlreichen rechten Überfälle – nicht selten mit Todesfolge – auf MigrantInnen und Linke ebenso wie das gehortete Waffenpotential, das in Deutschland erst jüngst bei Polizeirazzien von Göttingen bis Görlitz entlarvt wurde. Von Salem bis Stolberg spannt sich ein Bogen, in dem Rechte ihre Gewalt durch vorgebliche Anti-Gewalt-Demonstrationen legitimieren.
Für antifaschistische AktivistInnen bleibt die Frage des Widerstands. Das schwedische Beispiel bestätigt die schwierige Balance, die hier zwischen zwei Notwendigkeiten gefunden werden muss: einerseits einer breiten zivilgesellschaftlichen Koalitionsfähigkeit gegen die extreme Rechte; und andererseits das Bewahren einer Kritikfähigkeit gesellschaftlicher Diskriminierung und Heuchelei. Um der extremen Rechten ihre Sammlungsorte zu nehmen, bedarf es Ersterer – dies zeigte sich in Deutschland zuletzt anlässlich des „Anti-Islamisierungskongresses“ in Köln. Um aber rechten Ideologien, Rassismus, Ordnungsdenken und autoritärer Diskurse und ihrer gesellschaftlichen Verankerung entgegenzuwirken, ist Zweitere unerlässlich.
Auch im Falle Salems kann bei den momentanen politischen Kräfteverhältnissen effektiver Widerstand, der auf Verhinderung von Aufmärschen zielt, nur über solche Koalitionen führen. Diese Möglichkeit wurde dort leider früh versäumt, und der Widerstand teilte sich auf in ein breites anti-rechtes Bündnis von links-liberalen und gewerkschaftlichen Gruppierungen, die in Stockholm, weitab des Geschehens, eine symbolische Anti-Rassismus-Demo abhalten, und Menschen, vornehmlich aus der autonomen Szene, die in Salem versuchen, den Marsch direkt zu stören. Dies erlaubt es PolitikerInnen und Polizei, das Geschehen in Salem als klassischen „Extremismuskonflikt“ darzustellen, der es dann auch schon einmal – wie dieses Jahr – legitim erscheinen lässt, über 500 AntifaschistInnen präventiv festzunehmen bzw. zahlreiche dänische und norwegische AktivistInnen kurzerhand auszuweisen.
Auch in Stolberg gibt es erste Anzeichen für eine Trennung des Widerstands. So fand letztes Jahr am Vortag eines Aufmarsches ein BürgerInnefest statt, das sich explizit von den direkten Gegenaktivitäten abgrenzte. Allerdings beteiligten sich auch viele Bürgerliche an den Demonstrationen in direkter Nähe zum Naziaufmarsch.
Zuversichtlich stimmte dieses Jahr in Schweden eine Initiative, die erstmals von AnwohnerInnen Salems ausging: einige von ihnen postierten sich entlang der rechten Marschroute in reflektierenden hellgelben Jacken und konfrontierten die marschierenden Neonazis mit Schildern, welche die Namen von Opfern neonazistischer Gewalt in Schweden trugen. Bei ihrem ersten Auftritt vielleicht wenig mehr als ein medienwirksamer moralischer Protest könnten sich um eine solche Initiative, die sich politischen Grabenkämpfen entzieht, effektive Widerstandstaktiken gegen den Marsch organisieren lassen – ohne sich dabei zum Spielball bürgerlicher Regierungen und ihrer verlogenen Politik machen zu lassen. Stattdessen könnten – und müssen! – diese weiterhin für ihren Beitrag zu einem rassistischen Alltag zur Verantwortung gezogen werden. Ein Beitrag, der momentan etwa in Schweden durch haarsträubende Gesetzesvorschläge wie jenen vom „Schwedenvertrag“ geleistet wird, den alle MigrantInnen als Bedingung für ihre Aufenthaltsgenehmigungen und Papiere unterschreiben sollen – quasi als schriftliches Bekenntnis zu schwedischer Nation und Kultur, was auch immer das sein mag.
Spiegelbildlich hierzu die immer wiederkehrenden nationalistischen Debatten um eine deutsche „Leitkultur“. Auch hier können wir nur rätseln, wovon die Rede ist. Etwas deutlicher wird dies in dem so genannten „Einbürgerungstest“, mit dem MigrantInnen in den Bereichen Verfassungsrecht, Kultur und Geschichte als Bedingung ihrer Einbürgerung geprüft werden sollen. Umso absurder klingen Merkels neuerliche Reaktionen auf die versuchte Tötung eines Polizeipräsidenten in Passau durch Neonazis. Sie merkte an, dass es vor allem der Zivilcourage [bedürfe], um den Rechtsextremismus überall da zu bekämpfen, wo er sich im öffentlichen Raum zeigt“. Lippenbekenntnisse dieser Art müssen auch weiterhin als solche entlarvt werden, zumal es doch die Regierung Merkel ist – und nicht nur diese –, die gleichzeitig die Kürzung der Gelder für Initiativen gegen Rechts kürzen will und dies auch tut.
Statt der offiziellen Politik mit gemeinsamen Protesten und Bündnissen ein Forum zu bieten, sich punktuell gegen rechte Gewalt in Szene zu setzen, sollten wir uns auf Bündnisse ‚von unten’ konzentrieren. In Stolberg ziehen Neonazis bei ihren „Gedenkmärschen“ durch das migrantische Viertel. Hier müssen BündnispartnerInnen gesucht werden, ohne vereinheitlichend oder paternalistisch zu agieren.
Wir sind herausgefordert, im Fall Stolbergs die Dimension der bis 2018 angemeldeten Nazidemonstrationen auch in antifaschistischen Kreisen zu verdeutlichen – diese Dimension wirkt weit über die Kleinstadt. Seit jeher wirken Opferkult und Märtyrergedenken als gemeinsame Referenzpunkte einend auf die extreme Rechte. In Stolberg spielte sich im April 2008 eine faktische Versöhnung vorgeblich verfeindeter Lager ab: der NPD, der freien Kameradschaften und der so genannten „autonomen“ Nationalisten. Gegen den gemeinsamen „Feind“ gelte es, zusammenzuhalten. Die Ereignisse in Stolberg sind kein lokales Problem, sondern eines, auf das mit breitem antifaschistischem und zivilgesellschaftlichem Widerstand reagiert werden muss.
Es stimmt hoffnungsvoll, dass das „Netzwerk gegen Rassismus“, das hauptverantwortlich für die Demonstrationen vor Ort in Salem ist, in Zusammenhang mit der breiten Solidarität, die den Betroffenen der Attacken zukam, eine Ausweitung des Netzwerks plant und neue Widerstandstaktiken erwägt.
Auch innerhalb deutscher antifaschistischer Kreise kam es nach den Ereignissen in Stockholm zu einer beeindruckenden Solidaritätswelle. Dies ist umso erfreulicher, weil effektiver antifaschistischer Widerstand ohne internationale Solidarität nicht möglich scheint. Der rechte Bogen, der sich von Salem bis Stolberg – und darüber hinaus – spannt, muss durch ebensolche – und effektivere! – Bögen bekämpft werden. Den Kampf gewinnen wir!

Dieser Artikel erschien in gekürzter Fassung in der aktuellen Lotta. In schwedisch und englisch wurde er hier und hier veröffentlicht.

Aktuelle Infos zu Freitag

Also für Freitag siehts so aus:

Die Nazis treffen sich um 19.00 Uhr am Mühlener Bahnhof und gehen um 20.00 Uhr los.

Die Antifakundgebung beginnt um 19.00 uhr an der Villa Lynen. Es ist aber ratsam bereits früher und gemeinsam nach Stolberg zu fahren, deswegen gibt es einen gemeinsamen Antifatreffpunkt, und zwar um 17.10 Uhr am Aachener Hauptbahnhof. Da die Cops wahrscheinlich den Mühlener Bahnhof zumachen, bietet es sich an, am Bahnhof Rathaus auszusteigen und sich um 18.00 uhr auf dem Kaiserplatz zu treffen, um von dort geschlossen zur Villa Lynen zu gehen.

Samstag:

Die Treffpunkte für die Antifaaktivitäten sind:

Köln 10.00h Hbf

Aachen 10.15h Hbf

Achtet während der Fahrt auf Ankündigungen!!!

[Stolberg] Letzte Updates

Wie berichtet, werden am 3.4. und 4.4.09 Nazis durch Stolberg/Rheinland marschieren.( http://de.indymedia.org/2009/03/245287.shtml) Als Anlass für die beiden Aufmärsche nehmen sie eine tödliche Auseinandersetzung des vergangenen Jahres, bei der ein junger Mann ums Leben kam, welcher im Anschluss von der extrem rechten Szene zum Märtyrer stilisiert wurde (siehe: http://de.indymedia.org/2008/04/214320.shtml und http://de.indymedia.org/2009/03/243798.shtml).

Bei dem Aufmarsch am Samstag den 4.4. werden mehrere hundert Neonazis aus dem Spektrum der NPD sowie der „freien Kameradschaften“ erwartet. Die Route, welche die Neonazis an diesem Tag voraussichtlich laufen, beginnt am Stolberger Hbf und führt über die Münsterbachstraße, die Eschweilerstraße bis hin zum Tatort in der Birkengangstraße Ecke
Rhein-Nassau-Weg. Auf dem Rückweg werden sie die Eisenbahnstraße zurück bis zum Hbf nehmen. Diese Route wird zurzeit von den Nazis juristisch angefochten, da sie auf ihre Ursprungsroute bestehen, welche durch die Innenstadt und das migrantische Mühlener Viertel führt. Wo ihr Aufmarsch letztenendes herführen wird, kann sich somit noch kurzfristig ändern. Achtet also auf Akündigungen und informiert euch am 4.4. beim Infotelefon!

Das bürgerliche Stolberger „Bündnis gegen Radikalismus“ plant an diesem Tag zahlreiche Veranstaltungen im südlichen Teil der Stadt. Dort wird es mehrere Konzertbühnen, einen türkischen Basar, Würstchenstände und auch eine Demo geben. Die Naziroute führt allerdings nur durch den nördlichen Teil der Stadt, so dass die Bürgers es wie so oft schaffen werden, keinen einzigen Nazi an diesem Tag zu Gesicht zu bekommen.

Von antifaschistischer Seite gibt an diesem Tag zwei Treffpunkte: einen am Aachener Hbf um 10:15h und einen am Kölner Hbf um 10:00h. Von da aus wird gemeinsam nach Stolberg aufgebrochen.
Sowohl eine antifaschistische Demonstration, als auch eine Kundgebung in Stolberg wurden von der Aachener Polizeiführung verboten. Eine Polizeiführung, die am 3.4. gar einen Fackelmarsch der Nazis durch Stolberg genehmigt. Wir werten dies als eindeutiges politisches Signal des Herrn Oelze, der als Polizeipräsident der Stadt Aachen bereits mehrfach durch Kriminalisierung von AntifaschistInnen bei gleichzeitiger ‚Sanftmütigkeit’ gegenüber FaschistInnen auffiel. Wir werden es uns nicht nehmen lassen, an beiden Tagen in das rheinländische Städtchen zu fahren.

Am Freitag den 3.4., dem Tag des Fackelmarsches der Nazis hat die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes eine Kundgebung an der Villa Lynen auf der Rathausstr./Ecke Rosentalstr. angemeldet. Unter dem Motto „Löschen bevor es brennt“ werden sich dort ab 19:00h AntifaschistInnen einfinden.
Die Neonazis treffen sich an diesem Tag ebenfalls um 19:00h zu ihrer Auftaktkundgebung am Mühlener Bahnhof und marschieren gegen 20:00h mit ihren Fackeln los. Ihre Route für diesen Abend wird voraussichtlich erst Mittwoch hier veröffentlicht.

Sowohl Freitag wie auch Samstag wird es einen Ermittlungsausschuss geben. Er ist unter der Nummer 0176-65411488 erreichbar.

Ein Infotelefon wird Samstag geschaltet sein. Die Nummer: 015204893954

Checkt für die letzten Infos: www.no-nazis.net und http://akantifaac.blogsport.de/