Antifa Abendspaziergang Vol. 2

„Wir werden keinen Schritt mehr weichen, keinen Meter, kein Stück.“

Am frühen Freitagabend fand der zweite antifaschistische Spaziergang durch die Pontstraße in Aachen statt. Im Gegensatz zum ersten, vor einigen Wochen, trauten sich keine Neonazis in die von ihnen sonst viel frequentierte Kneipenmeile. In dieser verteilten ca. 70 Antifas Freitag Flyer, mit denen auf die Nazipräsenz in Aachen hingewiesen wurde sowie Mobilisierungsmaterial für die Gegenaktivitäten in Stolberg am kommenden Samstag. Dort findet am 4.4. ein bundesweiter Naziaufmarsch statt.
Am Tag des Spazierganges jährte sich zudem ein Angriff von etwa 40 bewaffneten und vermummten Neonazis auf eine antifaschistische Demonstration in Aachen (siehe http://de.indymedia.org/2008/03/211714.shtml). Für viele war dieser Übergriff überraschend, so galt Aachen nie als Neonazi-Hochburg. Im Sommer, während der EM traten seit Jahrzehnten erstmals öffentlich in der Pontstraße organisierte Nazis mit Reichskriegsflaggen auf. Seitdem hat sich viel in Aachen getan. Nahezu jedes Wochenende treffen sich inzwischen Faschisten und Faschistinnen der „Kameradschaft Aachener Land“, der NPD und der „AG Rheinland“ in einzelnen Kneipen der Pontstraße, vornehmlich in der „Vielharmonie“.

Von diesen abendlichen Treffen gehen etliche Angriffe aus auf politische GegnerInnen, auf AntifaschistInnen, auf MigrantInnen oder auch mal auf „ganz normale Studies“, die aus irgendwelchen Gründen nicht ins neonazistische Weltbild passen.

Aber auch auf antifaschistischer Seite hat sich einiges verändert. So dürfte den Aachener Neonazis inzwischen deutlich geworden sein, dass sie nicht ohne Gegenwehr agieren können. Etliche Kneipen unterstützten antifaschistisches Engagement, stellten ihre Räumlichkeiten für Veranstaltungen gegen Rechts zur Verfügung, beteiligten sich an Kampagnen gegen Neofaschismus und erteilten (erkennbaren) Neonazis Hausverbot. Es sind längst nicht mehr allein organisierte Antifas, die sich den Nazis in den Weg stellen. Und das ist gut so, denn nur zusammen können wir Aachen (wieder) zu einer Stadt machen, in der Neonazis nicht öffentlich und erkennbar auftreten können.

Nicht zuletzt hängen die Entwicklungen in Aachen eng mit denen im Umland zusammen. Besonders die Ereignisse in Stolberg wirkten sich stärkend für die Aachener Neonaziszene aus. Nachdem dort am 4.4.2008 ein junger Mann in einer Auseinandersetzung zu Tode kam und die örtliche Neonaziszene diesen Tod für sich zu vereinnahmen suchte, fanden in Stolberg letztes Jahr gleich drei Manifestationen der extremen Rechten statt, zwei davon mit bundesweiter und europäischer Beteiligung. Noch vor Hamburg am 1. Mai 2008 traten einige Wochen zuvor „Autonome Nationalisten“ in dem rheinländischen Dorf als „Schwarzer Block“ auf. 600 von ihnen. Auch dieses Jahr wollen Neonazis am 4.4. dort aufmarschieren und haben zudem am 3.4. einen Fackelmarsch angekündigt. Aufmärsche sind bis 2018 angemeldet.

In Aachen entwickelte sich zur gleichen Zeit eine lokale Neonaziszene, die durch die Großaufmärsche massiv gestärkt wurde. Die Neonazis in der Region Aachen organisieren sich hauptsächlich in der „AG-Rheinland“, der NPD, der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) bzw. ihren verschiedenen Untergruppen, sowie in dem regionalen Zusammenschluss „Volkssturm Rheinland“. Die sich entwickelnde junge Szene der Aachener „Autonomen Nationalisten“ ist inzwischen fast vollständig in der KAL aufgegangen, die beste Kontakte zur Dürener NPD pflegt.

Die Aktivitäten, Organisierungsversuche und Übergriffe, die von diesen jungen Neonazis ausgehen, wurden lange von offizieller Seite und einem Großteil der Bevölkerung ignoriert. Langsam scheint jedoch eine gewisse Sensibilisierung einzusetzen.

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